„Zweihundert Fehler. Ein Farbwert. Und niemand, der es macht.“
Fast jedes Unternehmen, mit dem wir sprechen, hat schon einen Bericht zur Barrierefreiheit. Achtzig Seiten, sauber sortiert, mit Ampelfarben. Er liegt in einem Ordner.
Niemand arbeitet ihn ab. Nicht aus Nachlässigkeit — sondern weil jede einzelne Zeile darin eine kleine Recherche ist. Wo kommt dieser Wert her? Auf welchen Seiten wirkt er? Was passiert, wenn ich ihn ändere? Bei zweihundert Zeilen ist das kein Nachmittag. Das ist ein Projekt, für das niemand ein Budget hat.
sp8 dreht die Reihenfolge um. Der Assistent liefert nicht den Bericht. Er liefert die Änderung.
Prüfwerkzeuge für Barrierefreiheit gibt es seit zwanzig Jahren, und sie sind gut. Sie finden zuverlässig, was nicht stimmt. Was sie nicht können, ist der zweite Schritt — und der zweite Schritt ist die ganze Arbeit.
Ein Kontrastfehler steht nämlich nicht in einer Seite. Er steht in einem Farbwert, der auf jeder Seite wirkt. Ein Prüfwerkzeug, das die ausgelieferte Website abklappert, meldet ihn deshalb zweihundertmal — und weiß nicht, dass es zweihundertmal derselbe ist. Wer diese Liste abarbeitet, ohne die Ursache zu kennen, arbeitet zweihundertmal.
Der WCAG-Experte in sp8 prüft nicht die fertige Seite, sondern das System dahinter. Er sieht deshalb nicht zweihundert Fundstellen. Er sieht einen Design-Token — und benennt ihn.
Ein Kontrastverhältnis von 3:1 statt der geforderten 4,5:1 heißt nicht, dass eine Seite hässlich ist. Es heißt, dass jemand mit nachlassender Sehkraft den Preis nicht lesen kann.
Eine übersprungene Überschriftenebene heißt nicht, dass der Quellcode unordentlich ist. Es heißt, dass jemand, der sich die Seite vorlesen lässt, die Struktur nicht erkennt und von vorne anfangen muss.
Deshalb gibt der Prüflauf mehr aus als eine Fehlermeldung: die geprüften Elemente, das verletzte WCAG-Kriterium, den Schweregrad in A, AA oder AAA — und bei Kontrastproblemen den betroffenen Design-Token, bei Strukturproblemen das betroffene Segment und Feld. Nicht „Kontrast zu niedrig“. Sondern welcher Wert, an welcher Stelle, gegen welches Kriterium.
Die zweite Fähigkeit korrigiert. Sie hat Schreibzugriff auf die Design-Tokens der Instanz und auf die Inhalte der Segmente. Sie kann den Kontrastwert also ändern, nicht anmerken.
Das ist der Punkt, an dem man einer KI normalerweise nicht traut. Zu Recht.
Jeder, der mit KI arbeitet, kennt diesen Moment. Sie sagt „erledigt“ — und nichts ist passiert. Sie hat es gut gemeint, sie hat den Vorgang beschrieben, sie hat ihn nicht ausgeführt. Und sie weiß es nicht einmal selbst.
In sp8 ist das keine Frage des Vertrauens, sondern ein Feld. Jede Fähigkeit hat Postbedingungen, und bei der WCAG-Korrektur steht dort wörtlich: Erfolg nur melden, wenn die WCAG-Probleme nach der Anpassung behoben sind — neue Prüfung erforderlich.
Der Assistent kann sich also nicht selbst für fertig erklären. Er muss nachsehen. Das ist ein einziger Satz in einem Konfigurationsfeld — und er ist der Grund, warum man dem Ergebnis glauben kann.
Ein Assistent, der Barrierefreiheit beurteilt, darf die Kriterien nicht aus dem Gedächtnis zitieren. Sprachmodelle sind darin bemerkenswert gut und gelegentlich falsch — und bei einer Norm ist gelegentlich falsch dasselbe wie unbrauchbar.
Die WCAG-Richtlinien und -Techniken liegen deshalb als eigene, durchsuchbare Wissensbasis im System. Die zuständige Fähigkeit hat genau zwei Werkzeuge: Wissensbasen auflisten, Wissensbasis durchsuchen. Mehr darf sie nicht.
Und ihre Antworten müssen die verwendete Basis benennen und die Kriterien mit Verweis auf die offiziellen Dokumente ausgeben. Jede Einschätzung ist damit nachlesbar — auch von jemandem, der uns nicht glaubt.
Es gibt Aufgaben, bei denen eine Maschine einem Menschen nicht das Wasser reicht. Barrierefreiheit gehört nicht dazu.
Sie besteht aus hunderten gleichartigen, regelbasierten Einzelfällen, die man stur und mit unverändert wacher Aufmerksamkeit durchgehen muss. Menschen sind darin schlecht — nicht weil sie es nicht könnten, sondern weil niemand beim zweihundertsten Kontrastwert noch dieselbe Sorgfalt aufbringt wie beim ersten. Genau dort ist eine Maschine besser.
Deshalb ist Barrierefreiheit in sp8 keine Kampagne, die man einmal fährt und dann abhakt. Es ist ein Zustand, den jemand hält.
Der Aufwand verschiebt sich. Statt „jemand arbeitet wochenlang eine Liste ab“ heißt es „jemand prüft die vorgeschlagenen Korrekturen und gibt sie frei“.
Und weil gegen den tatsächlichen Stand im System geprüft wird, veraltet der Befund nicht zwischen Bericht und Umsetzung. Das ist der klassische Grund, warum das erste Audit umsonst war.
Der WCAG-Experte arbeitet heute auf Ansprache. Dass er von selbst und regelmäßig prüft, ist konfigurierbar und im Betrieb noch nicht genutzt.
Und er beurteilt, was im System steht — nicht, wie ein Screenreader die fertige Seite tatsächlich vorliest. Eine Prüfung mit Hilfsmitteln durch Menschen ersetzt er nicht. Wer das verspricht, hat die Aufgabe nicht verstanden.
Wir zeigen dir live, wie der WCAG-Experte in sp8 einen Design-Token findet, korrigiert und das Ergebnis erneut prüft.