Walter Hagenmayer, Founder von sp8
    Founder
    Walter Hagenmayer
    sp8 CMS · CCDS GmbH
    Founder-Interview

    Warum wir kein CMS gebaut haben

    „Wir bauen kein klassisches CMS. Wir bauen das Operating System, auf dem moderne Web- und Business-Prozesse laufen.“

    Interview mit Walter Hagenmayer, Founder von sp8. Über die Ursprünge, die größten technischen Herausforderungen und die Vision dahinter.

    sp8 wird oft als KI-CMS beschrieben. Was ist sp8 aus deiner Sicht wirklich?

    sp8 ist für mich langfristig kein klassisches CMS mehr. Wir sehen es eher als ein Operating System für moderne Web- und Business-Prozesse.

    Der Ursprung war eigentlich ein ganz anderer: Ich habe über 25 Jahre als Geschäftsführer, Projektentwickler und Projektmanager zwischen Kunden und Entwicklern gearbeitet. Ich kenne TYPO3, WordPress und klassische Agenturprojekte extrem gut. Und ich habe immer wieder dieselben Probleme gesehen:

    • technische Schulden,
    • lange Entwicklungszeiten,
    • Plugin-Chaos,
    • gehackte WordPress-Seiten,
    • komplizierte Relaunches,
    • SEO-Verluste,
    • und Kunden, die am Ende nicht verstehen, warum ein Update plötzlich Tausende Euro kostet.

    sp8 ist daraus entstanden, diese Reibung zu reduzieren.

    Was war der ursprüngliche Auslöser für die Entwicklung?

    Der eigentliche Start war im September 2025 als Prototyp für ein Kundenprojekt.

    Ich habe damals gesehen, wie stark moderne KI-gestützte Entwicklung inzwischen geworden ist. Daraus entstand zuerst eine Marketing-Automation-Lösung. Danach kam ein eigenes Redaktionssystem dazu. Dann kamen Segmente, Pipelines, Business-Apps und CRM-Funktionen.

    Heute steht sp8 auf einem deutlich breiteren Fundament:

    • Starter-Kits,
    • Mothership-Architektur,
    • Extension-System,
    • SEO-Automation,
    • Content-Migration,
    • und Business-App-Integration.

    Was ist das Kernproblem, das sp8 lösen soll?

    Das größte Problem ist aus meiner Sicht die riesige Menge veralteter Web-Infrastruktur.

    Es gibt Hunderttausende WordPress-Installationen:

    • die technisch veraltet sind,
    • Sicherheitsprobleme haben,
    • schlecht wartbar sind,
    • langsam geworden sind,
    • oder komplett fragmentiert arbeiten.

    Viele Unternehmen schleppen über Jahre technische Lasten mit sich herum.

    Unser Ziel ist, diesen Umstieg planbar zu machen – technisch wie redaktionell.

    Wie läuft so ein Umstieg heute konkret ab?

    Am Anfang steht immer die bestehende Website. Sie wird eingelesen – Struktur, Inhalte, Medien, URLs.

    Daraus entsteht die Grundlage für den Umzug:

    • Inhalte werden strukturiert übernommen,
    • Medien neu zugeordnet,
    • Weiterleitungen inhaltlich zugeordnet statt geraten,
    • und die SEO-Substanz wird gesichert, bevor umgestellt wird.

    Das ist kein Knopfdruck. Aber es ist planbar. Und genau daran scheitern klassische Relaunches: nicht am Design, sondern an dem, was beim Umzug unbemerkt verloren geht.

    Was war technisch schwieriger als erwartet?

    Die KI so einzubinden, dass sie mächtig ist, ohne gefährlich zu werden.

    Der naheliegende Weg wäre, der KI einen eigenen, möglichst weitreichenden Zugang zu geben. Genau das wollten wir nicht. Zwei Dinge waren dafür nötig:

    • Die KI hat keine eigenen Rechte, sondern immer die des angemeldeten Nutzers.
    • Das Datenschema erklärt sich der KI zur Laufzeit – sie kann keine Felder erfinden, die es nicht gibt.

    Das klingt unspektakulär. Es ist aber der Unterschied zwischen einem Assistenten, den man einem Team in die Hand geben kann, und einem, den man lieber beaufsichtigt.

    Ihr sprecht viel über SEO. Warum?

    Weil SEO einer der größten Painpoints bei Relaunches ist. Viele Unternehmen verlieren Rankings:

    • durch kaputte Redirects,
    • schlechte Migration,
    • verlorene Seitenstrukturen,
    • oder technische Fehler.

    Daraus ist die sp8 SEO Suite entstanden. Kein einzelnes Werkzeug, sondern mehrere Module. Drei davon bringen ein Unternehmen überhaupt erst in die Spur:

    • SEO Basic – die Grundlage: strukturierte Arbeit an Seiten und Inhalten, auch ohne SEO-Vorwissen.
    • SEO Advanced – Analyse und Priorisierung für Teams, die tiefer einsteigen.
    • SEO-Übersicht – alle Daten an einer Stelle statt verteilt über fünf Tools.

    Das vierte Modul ist das für den laufenden Betrieb:

    • SEO-Sprungbrett – damit werden einzelne Seiten gezielt nach vorne gearbeitet. Von Seite zwei auf Seite eins. Von Position zehn auf Position drei. Nicht pauschal über die ganze Website, sondern Seite für Seite.

    Die Datenbasis ist dabei live, nicht exportiert: Die Google Search Console ist direkt angebunden, Google Analytics läuft als eigenes Modul im Backend, dazu kommen SISTRIX-Daten.

    Das System führt Marketingverantwortliche aktiv: „Hier liegen Potenziale.“ „Diese Rankings könnten verbessert werden.“ „Diese Maßnahmen wären sinnvoll.“

    Die nächste Ausbaustufe ist in Arbeit. Dazu sage ich heute noch nichts Konkretes – nur so viel: Sie verändert, wie Inhalte untereinander zusammenhängen.

    Gab es bereits reale Projekte?

    Ja. Eines der ersten Projekte war ein WordPress-Newsportal mit rund 12.000 Artikeln. Die Seite war gehackt worden und mehrere Wochen offline.

    Wir haben:

    • die komplette Struktur übernommen,
    • Inhalte migriert,
    • Bilder und Videos neu zugeordnet,
    • SEO-Redirects aufgebaut,
    • und das Portal innerhalb weniger Wochen neu ausgerollt.

    Das war eine echte Stresssituation – aber genau dort zeigt sich, ob eine Architektur funktioniert.

    Wie reagieren Kunden darauf?

    Am Anfang natürlich skeptisch. Viele Kunden vergleichen zuerst: „Das konnte WordPress doch auch.“ Und dann muss man Feature für Feature liefern.

    In unserem Fall mussten wir zum Beispiel eine eigene AdRotate-Extension nachbauen. Das war aufwendig und es gab viele Bugfix-Runden.

    Aber inzwischen sagt der Kunde: Er möchte nicht mehr zurück zu WordPress.

    Jedes CMS wirbt inzwischen mit KI. Was ist bei sp8 anders?

    Bei uns ist KI kein Feature, das man dazuschaltet. Sie ist Teil der Architektur. Und deshalb ist die interessante Frage nicht, was die KI alles kann – das können inzwischen alle. Die interessante Frage ist, unter welchen Bedingungen sie arbeitet.

    Zwei Dinge sind dafür heute produktiv im Einsatz.

    Das erste ist die Anbieterfreiheit. sp8 spricht MCP, den offenen Standard, den inzwischen alle großen Anbieter unterstützen. Im System sind dreizehn KI-Anbieter angelegt – unter anderem OpenAI, Anthropic, Google Gemini, Mistral, DeepL, Azure OpenAI, DeepSeek, Cohere und xAI, dazu Mittwald AI Hosting, falls die Daten Deutschland nicht verlassen dürfen. Die Anbieter lassen sich einzeln zu- und abschalten, und man entscheidet selbst, wer welche Aufgabe übernimmt. Verdoppelt einer davon in zwei Jahren die Preise, steckt man um. Ohne neue Website, ohne Projekt.

    Das zweite ist das Rechtemodell – und das ist der eigentliche Unterschied. Eine MCP-Schnittstelle hat 2026 fast jeder. Entscheidend ist, was dahinter passiert: Die KI bekommt keine Sonderrechte, sondern die des angemeldeten Nutzers. Wer im System nichts veröffentlichen darf, kann das auch über den Assistenten nicht.

    Praktisch heißt das: Das Team kann direkt in sp8 mit einem KI-Assistenten arbeiten. Oder von außen, aus dem Assistenten heraus, den es ohnehin täglich nutzt. Beides führt in dieselbe Website.

    Getragen wird das am Ende von der Struktur dahinter. Ich vergleiche das manchmal mit einem riesigen Regal: Ich baue Stück für Stück die Struktur und weiß genau, welches Fach wohin gehört.

    Was passiert, wenn wir eine Funktion brauchen, die es in sp8 nicht gibt?

    Dann kommt sie dazu – aber kontrolliert, nicht als Plugin von irgendwoher.

    sp8 ist modular aufgebaut. Funktionen lassen sich gezielt zubuchen, statt dass jede Installation alles mitschleppt, was sie nie braucht. Was fehlt, wird als Erweiterung ergänzt und dabei Teil des Systems – geprüft, nicht drangeklebt. Für KI-Funktionen gibt es dafür ein internes Credit-System, die sp8 Credits.

    Dass wir das so eng führen, ist eine bewusste Entscheidung. Wir wollen zuerst:

    • stabile Architektur,
    • klare Standards,
    • konsistente UX,
    • sichere Prozesse.

    Was wir nicht wollen, ist eine unkontrollierte Plugin-Hölle wie bei klassischen CMS-Systemen. Dort ist jedes zusätzliche Plugin auch ein zusätzliches Risiko – und genau deshalb kommen Kunden zu uns. Eine kontrollierte Öffnung kann später kommen, aber nur mit klaren Standards dahinter.

    Was kann sp8 heute noch nicht?

    Drei Dinge, die ich lieber selbst sage, bevor jemand danach fragt:

    • Ein Vier-Augen-Prinzip gibt es noch nicht. Für Kunden mit Compliance-Anspruch ist das eine harte Anforderung.
    • Versionierung: Eine geänderte Seite lässt sich nicht per Knopfdruck auf einen früheren Stand zurücksetzen.
    • Benachrichtigungen: Das System meldet sich nicht von selbst, wenn etwas zu tun ist.

    Alle drei sind spezifiziert und für den nächsten Ausbauschritt vorgesehen. Ich halte nichts davon, so etwas zu verschweigen. Offen genannt ist es Planung. Nachträglich eingeräumt ist es ein Mangel.

    Wie würdest du sp8 heute in einem Satz beschreiben?

    sp8 ist kein klassisches CMS. Wir bauen eine KI-gestützte Plattform zur Modernisierung und Steuerung digitaler Web- und Business-Prozesse.

    Über den Founder

    Walter Hagenmayer

    Über 25 Jahre an der Schnittstelle von Web, Marketing und Technologie – zuerst als Gründer und Geschäftsführer einer Kölner Internetagentur, heute als Co-Geschäftsführer der CCDS GmbH und Architekt von sp8 CMS.

    • StudiumKöln.
    • 2003Gründung der fh-konzept GmbH in Köln zusammen mit Frank Fischer (heute CTO der CCDS GmbH). Internetagentur mit Spezialisierung auf TYPO3 – Start mit TYPO3 3.6, Aufbau von Mittelstands- bis Konzernkunden. Schwerpunkte: Marketing, SEO und Begleitung großer Kundenprojekte.
    • ~2019Merger der fh-konzept GmbH in die CCDS GmbH, langjähriger Partner in großen Internetprojekten. Co-Geschäftsführer und Leitung der Webabteilung – TYPO3- und WordPress-Agentur mit SEO-Schwerpunkt und Konzernkunden.
    • 2025Einstieg in KI-gestützte Entwicklung und Start der Entwicklung von sp8 CMS.

    Manchmal wacht er nachts auf.

    Ich lebe mit meiner Familie in Köln, verheiratet, Vater von drei Kindern. Manchmal wache ich nachts auf, hellwach, mit einem Gedanken, den ich sofort weiterverfolgen will – und setze mich an den Rechner, weil mir im selben Moment klar wird, wie ein Detail in sp8 besser funktionieren könnte. Viele der heutigen Bausteine sind genau in solchen Stunden entstanden.

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